“Declaration on Defence and Security Co-operation”

Quelle: Flickr

Den meisten Lesern dürfte bekannt sein, dass sich besonders die Politik gerne verschleiernder Euphemismen bedient. Anstatt eines Krieges wird lieber von „humanitärer Intervention“ gesprochen, die Folter nennt man besser „Alternative Verhörmethode“ und den Kriegsminister besser „Verteidigungsminister“.

Politiker wissen, dass wir beim Sprechen Realitäten schaffen. Auch wenn diese konstruierte Realität, kein getreues Abbild der tatsächlichen Realität ist, in den Köpfen der meisten Menschen setzt sie sich trotzdem fest. Deshalb versuchen sich Politiker so auszudrücken, dass sie nur angenehme und bekömmliche Realitäten schaffen.

Hier kommen die Journalisten ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es – unter anderem – zu erkennen ob die von den Volksvertretern verwandte Begriffe so der Wahrheit entsprechen, oder ob sie nur der Beschönigung dienen. Andernfalls werden die Medien nur zum verlängerten Arm der Politik und helfen dabei eine falsche Realität zu konstruieren.

Dass die Journalisten hierbei des öfteren scheitern, kann man täglich in den Medien beobachten. Ein aktuelles Beispiel ist das Militärische Abkommen zwischen Frankreich und Großbritannien. Beide Länder haben eine engere Zusammenarbeit in militärischen Angelegenheiten vereinbart.

Sie wollen bspw. Bei der Atomwaffenforschung kooperieren, eine einfachere Zusammenarbeit ihrer Rüstungsmärkte ermöglichen oder bei der zukünftigen militärischen Satelliten-Kommunikation sich gegenseitig unterstützen.

Der offizielle Titel der Verhandlungsergebnisse heißt: “Declaration on Defence and Security Co-operation.”

Und was machen die Medien draus?

Die Französischen übernehmen gerne die beruhigende Botschaft einer „Verteidigunskooperation“. „Accord historique de coopération en terme de Défense“ titelt Le Parisien, Les Echos schreibt: „Défense: Paris et Londres signent un accord historique.“

Die Spanischen und Italienischen sprechen lieber von einer Militär-Kooperation. Corriere della Serra titelt: „Cooperazione Militare“ und El Pais meint: „tratado de cooperación militar“.

Die deutschen Medien scheinen auch nicht an die Verteidigungsprämisse zu glauben, wahrscheinlich weil es diesmal nicht um das eigene Land geht. Spiegel Online spricht von einer „Militär-Allianz“, die FAZ von einem „Militär-Abkommen“ und Zeit Online von einem „Militär-Pakt“.

Tja, so verschieden können Realitäten sein.

Dieser Beitrag wurde unter Archive veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>