Wenn Anpassung gesagt wird, aber Erhöhung gemeint ist

Ähnlich wie bei Chamäleons dient der Farbwechsel bei einigen Interessenvertretern nicht der Tarnung sondern der Kommunikation mit Artgenossen

Wenn in den Medien mal wieder das Wort „Anpassung“ die Runde macht, dann sollte man die Ohren spitzen. Manchmal wird es zwar seiner Bedeutung gemäß verwendet, wenn bspw. über die Anpassung von Immigranten philosophiert wird oder auch über die Anpassung von Pflanzen oder Tieren an ihre Umgebung.

Sehr oft aber, wird es auch gebraucht um Schönfärberei zu betreiben. Streng genommen heißt Anpassung soviel wie sich auf jemand oder etwas einstellen, sich einfügen. Es kann aber auch Angleichen heißen und das macht es zu einem Kandidaten der Vertuschung par exellence.

Dies geschieht dann, wenn mal wieder von Beitragsanpassung, Rentenanpassung, Anpassung des Renteneintrittsalters, Tarifanpassung, Anpassung der Arbeitsschutzrichtlinien, Bahnkostenanpassung oder gar von Personalbestands-anpassungen die Rede ist.

In diesen Fällen wird zwar Anpassung gesagt, gemeint ist aber zumeist entweder eine Erhöhung oder eine Streichung. Anpassung klingt nun eben einfach schöner als Streichung oder Erhöhung, und hilft bei der Verdauung der schlecht bekommenden Botschaften.

Einige aktuelle Beispiele:

Ab Januar des nächsten Jahres erhöhen die meisten privaten Krankenkassen ihre Beiträge, schreibt Spiegel Online. Das sei schon ein Jahr zuvor passiert, als man die Beiträge um bis zu 30 Prozent angepasst habe.

Die Hartz-IV-Sätze sollen um fünf Euro erhöht werden und gleichzeitig sei beschlossen worden, dass die jährliche Anpassung des Regelsatzes verschoben werde, schreibt bspw. Welt Online.

Und in einem Interview mit Spiegel Online sagte ein gewisser Herr Wolfgang Franz (SPD): „Ich plädiere dafür, ab 2012 die Anpassung an die Rente mit 67 schneller vorzunehmen, um die Rentenkasse und die Beitragszahler zu entlasten…“ Wohlgemerkt, mit Anpassung meint er die Erhöhung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre.

Als die Deutsche Bahn die Erhöhung der Fahrkartenpreise im Nahverkehr um 1,9 Prozent ankündigte, sprach sie von einer „moderaten Anpassung“, wie es auch bei Welt Online zu lesen war.

Also Augen auf, wo Anpassung gesagt wird, ist zumeist Erhöhung gemeint.

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