Überleben – AusSicht vorschneller Journalisten

Kann der Euro "überleben"?

Im Wirtschaftsjargon scheint es üblich zu sein, drohende Unternehmensverluste oder gar Pleiten mit dem Wort „Überleben“ zu umschreiben. Da umschreibt der unter Druck stehende Manager sein Ziel gerne und so oft es geht damit, dass es darum gehe „das langfristige Überleben zu sichern“.

Natürlich fängt hier der Missbrauch der Sprache schon an, denn ein Unternehmen kann nicht überleben, weil es die grundlegende Voraussetzung dafür nicht mitbringt:  Es ist kein Lebewesen.

Dennoch ist es aus meiner Sicht gravierender, wenn die Medien – also die Journalisten – anfangen überall und in den verschiedensten Fällen vom Überleben zu sprechen.

Ohne eine wissenschaftliche Analyse durchzuführen, reicht es ein paar Beispiele zu nennen, um die aus journalistischer Sicht falsche Verwendung des Wortes „Überleben“ zu dokumentieren:

So geht es zum Beispiel in der Sportberichterstattung oft ums „Überleben“. Bspw. wenn Werder Bremen um das Überleben kämpft oder ein Felix Magath der Mannschaft aus Gelsenkirchen das Überleben sichert.

Nicht weniger Oft taucht das „Überleben“ in den Wirtschaftsressorts auf. Da hieß es zum Beispiel aktuell (28.01.2011) auf der Titelseite des Handelsblatt ein Call-Center-Betreiber kämpfe ums Überleben – was mich zunächst aufhorchen ließ, bis ich merkte, dass es nicht um sein physisches Überleben ging und damit auch nicht um die eigentliche, unantastbare Bedeutung des Wortes.

Aber auch die Politikberichterstattung kommt mit dem Überleben gern in Berührung. Da kämpft dann mal Sarkozy ums Überleben oder sogar die Regierungskoalition.

Und aktuell, so möchten es zumindest einige Interessensvertreter, scheinen der Euro und die Euro-Zone um das Überleben zu kämpfen. „Der Euro wird überleben, alles andere ist Geschwätz“, ließ jüngst der Euro-Zonen Vorsitzende Juncker verlauten.

In diesem speziellen Fall, könnte sich dahinter tatsächlich ein Kalkül verbergen. Wenn man dem Euro nämlich das Attribut des Überlebens zuschreibt, ihm sozusagen Leben einhaucht, so erscheinen seine Existenz und damit sämtliche Rechtfertigungsgründe indiskutabel.

Wie dem auch sei, ist das vordergründige Problem aber erst mal das unkritische Übernehmen solcher Floskeln durch einige Journalisten.

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